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Sidequesting my way through 2025

  • Autorenbild: P
    P
  • 31. Dez. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Jan.

Januar

Das Jahr startete für mich Trauben essend unter dem Esstisch. Nach Spanischer Tradition soll es Glück bringen, bei jedem Kirchengong um 00.00 eine Traube herunterzuwürgen. Für 2025 wollte ich das ganze Glück haben, das möglich war. An diesen Moment werde ich mich das ganze Jahr über immer wieder erinnern, wenn ich mich fragen werde, ob etwas trotz oder eben gerade wegen den Trauben passierte. Der holprige Start ins 2025 lag aber vielleicht auch einfach daran, dass ich an Silvester für den Countdown verantwortlich war und ich etwa 10 Sekunden nach Mitternacht erschrocken: „Leute, ich glaube es ist Mitternacht“ in die Runde warf. Das Glück blieb anfangs 2025 aus. In der ersten Woche beendete eine meiner besten Freundinnen in meinem Lieblingsrestaurant unsere Freundschaft. Das reichte mir dann auch schon, um den blöden Trauben die Schuld zu geben. Ende Januar entschied ich dann mit meinen Mitbewohnerinnen und meiner Freundin Pia*, einen zweiten Versuch zu starten und einfach Chinesisches Neujahr zu feiern. Vielleicht hat das Schlangenjahr ja mehr im Petto für mich.


Februar

Das neue neue Jahr leitete ich direkt mit einer Patagonienreise ein. Wo würde ich besser neu starten können, als am Ende der Welt mit meinem Freund Chris*? Was der Gute bei Reiseantritt nicht wusse: Bei mir herrschte seit anfang Januar absolutes Hormonchaos. So kam es dann auch, dass Chris* (als leidenschaftlicher Tierfotograf) absolut euphorisch Tickets für einen Pinguinenpark in der Pampas organisierte. Um zu besagtem Park zu gelangen, mussten wir einen unglaublichen Umweg auf uns nehmen und in einem Zehnseelendorf übernachten. Als der sechsjährige Sohn unserer Gastgeberin neben mir zockte und Chris* einmal erneut über den Pinguinenpark redete, platze mir der Kragen. „Wenn du noch ein Mal Pinguinenpark sagst“ fauchte ich ihn an. Zurück in Zürich wurde viel gefeiert, getöpfert, in die Therapie gegangen und absolut ziel- und gefühlslos gedatet. Bei einem Skitripp nach Zermatt mit meinen Freunden gab ich mit den Skischuhen auf dem Tisch stehend Shots an meine Freund:innen aus, wobei versehentlich auch das eine oder andere Auge abgefüllt wurde. Nach diesem Trip entschied ich dann, künftig grösstenteils auf Alkohol zu verzichten.


März

Es ging auf einen Büroausflug in die Berge. Nach zweistündiger Autofahrt und ziemlich gleichzeitig mit unserer Ankunft hatte ich Fieber, weshalb Lidia* mich und Holly* am nächsten Morgen früh mit ihrem Fiat 500 wieder zurück nach Zürich fuhr. Als der kleine Fiat bei einem Friedhof vorübergehend den Geist aufgab, sassen wir zu dritt in der Kälte, redeten über intime und persönliche Dinge und wurden von Arbeitskolleginnen zu Freundinnen. Zuhause angekommen schlief ich zuerst in der Badewanne ein, bevor ich unter dem Einfluss von Ibuprofen und aufgrund meiner Tendenz zum Peoplepleasing in Trainerhose und Gummistiefel ein Glas Champagner trank, welches mir der Kellner im indischen Restaurant auf dem Weg zur Apotheke angeboten hatte. Sobald es mir besser ging, folgte ein Rave im Kunsthaus (Picasso style).


April

Die Geburtsstunde meines Blogs. Am Ostersonntag rief ich dieses Meisterwerk ins Leben und verfasste direkt meine eigene ganz persönliche Bibelgeschichte. Was wenige von euch wissen: Meine Mutter - mit der ich dazumal Ferien im sehr katholischen Spanien machte - hat selbentags als erste Person den Blogbeitrag zur Wiederauferstehung gelesen. Bei der anschliessenden kirchlichen Prozession kreuzte sich unser Blick, als eine Jesusstatue im Glassarg vorbeigetragen wurde. „Ach schau, das war ich letzten September“ scherzte ich. Meine Mutter schüttelte den Kopf und schaute mich schockiert an: „Das ist nicht lustig. Du hast doch den absoluten Grössenwahn“.


Mai

Der Mai startete mit dem ersten Bad des Jahres mit Jade* in der Limmat. Es wurde viel Kaffee getrunken, gelesen und ich kaufte mir absolut impulsiv Inlineskates, weil dies zu meinem neuen Hobby werden sollte. Es wurde insgesamt zwei Mal geskatet (sexy mit Knie-, Hand- und Ellbogenschonern). Aufgrund meines Feriabesuchs in Sevilla wurden dann auch Flamencotanzstunden genommen. Nach der ersten Stunde dachte ich, ich hätte meine Passion gefunden; nach der zweiten Stunde hatte ich keinen Bock mehr. Ich entdeckte mein Lieblingsbuch „Swimming in the Dark“ und ging eine Nacht lang mit der Polizei mit auf Streife. Weil ich zu lachen begang, als meine Polizei(kollegen) ein paar sechzehnjährige Jungs aus einem Parkhaus weggewiesen hatten, zeigte einer der Jungs auf mich: „Die ist eine von uns“.


Juni

Es folgte eine Hüttentour durch die Dolomiten und meine erste Nahtoderfahrung mit Lotte*, Jade* und Laurin*. Als wir am letzen Tag unserer Tour frisch gestärkt früh Morgens unseren Marsch starteten, mussten wir - sobald die Sonne den Schnee wegschmelzte - merken, dass wir uns auf einem Eisfeld an einem Felshang befanden. Während wir mit Steinen in unseren durchfrohrenen Händen Löcher für unsere Schuhe in die Eiswand schlugen, fielen melonengrosse Felsen auf uns hinunter. Haarscharf wäre Lotte* getroffen worden. Ich habe nuch gefühlt wie Bear Grylls (ihr drei: Ist es noch zu früh um hierüber zu lachen?). Es wurde viel feministisch gestreikt und gebruncht, an der Pride getanzt, draussen bei einem Glas Wein zu Abend gegessen und die Schweizerische Manschaft an der EM angefeuert. Ganz ganz vielleicht haben Tristan*, Dorothea* und ich uns auch auf ein Baugerüst geschlichen und sind dabei erwischt worden. Und bei all dem ging ich allen mit meiner Wegwerfkamera auf die Nerven.


Juli

Im Juli fuhr ich früh morgens mit der Vespa in die Badi, schwammm meine Längen, las in der Sonne ein Buch und arbeitete aus dem Homeoffice, bis ich mich mittags an den Letten setzte. Dann wurde in Berlin CSD gefeiert, wobei wir über die gesundheitlichen Risiken von Queerness aufegklärt wurden (Achtung Analfissur). Meine Mitbewohnerinnen und ich liessen uns die Zahl 11 tättowieren. Die Bedeutung dürft ihr selbst wählen: 1) Unsere Hausnummer (lame); 2) Masslosigkeit und Sünde (hier sieht man vielleicht wieder den Grössenwahn von welchem meine Mutter bereits im April gesprochen hatte). Ah und meine Mitbewohnerinnen und besten Freundinnen liessen sich eine Pearl tattowieren. Wir begleiteten unseren neuen Lieblingsdj Gian durch die Schweiz, Lotte* verliebte sich in Basel und ich mich in Chiliöl und toskanischen Brotsalat.


August

Es wurde im Bikini auf der Vespa und Pia* hinten drauf an einen (unvorstellbar heissen) Rave gefahren. Dank Pia* hat unsere WG ein gutes Jahr nach Einzug eine Lampe in der Küche (bzw. eine Discokugel aber das zählt auch, the kitchen is for dancing und so). Mein Cousin hat die Liebe seines Lebens geheiratet, es wurde geweint und mir die Ehre erteilt, das Amt der DJ zu übernehmen. Mein Onkel meinte danach zu mir: „Falls du mal keine Lust mehr auf Jura hast kannst du ja einfach DJ werden“. Öffneten sich hier ganz neue Türen für mich? (Editorial note: Leute ich habe wirklich einfach eine Playlist laufen lassen HAHA). Natürlich wurde noch mehr gebadet, ganz viel Eis gegessen (Shoutout an die Gelateria di Berna) und schliesslich ging es mit Lotte*, meiner Mutter und meiner Tante nach Spanien. Da haben Lotte* und ich schnell gemerkt, dass wir nicht mit dem Vermouthkonsum der älteren Generation mithalten können.


September

Am ersten September bin ich mit Lotte* am Strand rumgeturnt und musste darauf hin zum Chiropraktiker (hallo 29. Lebensjahr). Es wurde in ganz ganz engem Kreis mit meinen besten Freund:innen Geburtstag gefeiert und ich habe geweint, weil ich mich extrem geliebt gefühlt habe. Ein shirtloser Typ hat sich in unser Treppenhaus geschlichen und in unseren Keller gepinkelt. Unsere Nachbarin hat, bevor sie die Polizei alarmierte, vorsichtshalber im Gruppenchat nachgefragt, ob dieser Mann zu jemandem von und gehört (wie lustig wäre es gewesen, wenn ich: „Ja, ist meiner“ geantwortet hätte?). Lotte*, Jade* und ich haben uns bei Brunch, Mimosas und einem letzten Schwumm in der Limmat gehörig vom Sommer verabschiedet.


Oktober

Ich entwickelte eine Obsession mit Backen (insbesondere Sauerteigbrot) und war nun stolzes Mitglied einer Whatsapp-Brotgruppe. Parallel habe ich mir von einem Arbeitskolleg stricken beibringen lassen (und seither nie mehr wieder eine Steicknadel in der Hand gehabt). Bei einer Farbberatung wurde mir dann gesteckt, dass Schwarz absolut nicht meine Farbe sei und die Frage, ob Gold- oder Silberschmuck, wurde mit Roségold beantwortet. Nach einer kurzen Identitätskrise und der Frage, ob ich jetzt, wenn ich nur noch Roségoldschmuck trage, auch mit Hobbyhorsing anfangen muss, habe ich mich dann aber wieder gefangen. Und dann habe ich meine künfige Freundin und grosse Liebe kennengelernt und mich Hals über Kopf in sie verliebt (es wird ein separater Beitrag folgen keine Angst). Dank ihr durfte ich 2025 erfahren, wie sich sichere und gesunde Liebe in einer romantischen Beziehung anfühlt. Ich habe meiner Mutter von meiner Freundin erzählt. „Wenn du von ihr sprichst, siehst du wieder aus, als wärst du sechs Jahre alt. Du hast den gleichen Blick, das gleiche Lächeln.“


November

Meine Mitbewohnerin und Freundin Jade* schmiss eine Halloweenparty und wir gingen als Spice Girls (ich als Posh Spice kam etwa vier Stunden zu spät, wie passend). Nach der Party trat sie draussen an mich heran und meinte: „Wo musst du jetzt hin?“. „Wenns für dich in Ordnung ist, würde ich auch mit nach Hause kommen“ entgegnete ich. Zuhause wurde viel Game of Thrones geschaut, gekuschelt und über grundlegende Fragen über das Leben, unsere Ängste und darüber, wer wir wirklich sind, gesprochen. Ich meinte zu Lotte* und Jade*, dass dass ich mich noch nie so mich selbt gefühlt hätte, wie jetzt gerade eben. Und seit November war ich offiziell in einer Behiehung mit einer Person, die jede einzelne meiner Erwartungen und Ansprüche nicht nur erfüllt, sondern diese übertrifft. Ich kann mein Glück kaum fassen.


Dezember

Dezember verbrachte ich arbeitslos und Tacos essend am Strand. Weil ich unbedingt wieder backpacken wollte, wurde natürlich in Hostels übernachtet. Ich bin ja so unabhängig und unkompliziert. Als ein guter Herr in unserem Dorm dann Albträume hatte und drei Nächte lang durchschrie, ohne selbst davon wach zu werden (in der zweiten Nacht kam noch ein Hämmern mit den Fäusten gegen die Wand hinzu, wodurch das ganze Bett bebbte), war bei mir dann Ende Gelände. Ich sag wies ist: Hostellife ist auch wirklich nur spassig, wenn man Geld sparen will/muss und deshalb keine andere Option hat. Ich glaube das wars für mich (sehr wahrscheinlich wechsle ich dann bereits nächstes Jahr wieder meine Meinung hierzu).


Heute vor einem Jahr habe ich meinem Zukunftsich einen Brief geschrieben. Wer das noch nie gemacht hat: Packt euch Papier und Stift, ich kann es wirklich nur empfehlen. Mein Brief beginnt so: „2024 war ein schwieriges Jahr. Heute, am 31.12.2024, fühlst du dich traurig und einsam.“ Sehr dramatisch. Ich musste den Brief direkt wieder weglegen. Absoluter Moodkill. Doch dann habe ich weitergelesen: „Ich wünsche mir, dass du auf ein 2025 voller Highlights zurückschauen kannst. Dass du dich bei der Frage nach einem Highlight gar nicht entscheiden kannst, weil es so viele davon gab. Ich wünsche mir, dass du im Jahr 2025 einen Weg findest, glücklich zu sein. Und dass du endlich erkennst, dass du alles andere als alleine bist.“ Ich muss schmunzeln. Besser hätte ich mein Jahr 2025 nicht beschreiben können. Ich fühle mich so geliebt und bin unglaublich dankbar für all die tollen Menschen in meinem Leben. Auch 2025 musste ich wieder lernen, dass mir nicht alle Personen in meinem Leben gut tun und nicht alle das Beste für mich wollen. Mich von diesen Personen zu trennen, war nicht einfach. Aber ich kann mit voller Überzeugung sagen: Ja, ich bin unglaublich glücklich. Und jetzt muss ich los, die Trauben (und das Glück) warten.


Tschüss,

P



 
 
 

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